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Mein ergötzlichster Unfall

Ja, ich gebe es zu: Ich bin ein Tollpatsch!
Schenken wir uns Verniedlichungsformen wie „cute’n’clumsy“ oder „kleines Paddelchen“. Lassen wir die gut gemeinten Entschuldigungen à la „Da war bestimmt ne Pfütze auf der Treppe“, „Der Türrahmen steht da auch ungünstig“ oder „Wer kann denn schon ahnen, dass frischer Kaffee so heiß ist“. Wem nützt es, wenn ich mir einrede blaue Flecken und Narben machen tough und sexy? Kann ich jemand anderen als mich selbst glauben machen, ich habe tatsächlich Spaß daran meine gesamte Freizeit in der Notaufnahme oder beim Physiotherapeuten zu verbringen? Ich denke nicht. Es ist wie es ist, ich bin ein Töffel! Eine Katastrophe auf stetig stolpernden Dackelbeinen. 160cm geballte Dösigkeit. Eine blond-blauäugige Gefahr. Nicht so sehr für andere. In erster Linie für mich. Dies allerdings zum großen Amüsement all derer die mich kennen. Und nun vielleicht ganz Deutschlands?

Meiner neuesten Schandtat (zumindest der, die nicht mich allein betrifft) fiel jemand zum Opfer, der nicht nur nichts dafür konnte, sondern der –wie ich- solche Ereignisse direkt an ein möglichst großes Publikum zu bringen weiß. Der Unterschied zwischen besagtem Opfer und mir manifestiert sich jedoch nicht nur in 40 Jahren Altersunterschied, Musikalität und gefühlten 50.000 IQ-Punkten, die er mir voraus hat, sondern vornehmlich darin, dass er weiß wovon er redet und auch noch Geld dafür bekommt. Die Rede ist von... nein, das lieber später!
Es war ein Tag wie jeder andere – aber das ist ja meistens so. Ich hatte mir am Kaffee die Zunge verbrannt, die Milch war sauer und durch eine mehr oder weniger glückliche Fügung war es mir gelungen meinen Sturz bei der morgendlichen Dusche nach vorn abzufangen, sodass ich lediglich einen kleinen blauen Fleck davon trug, anstatt von ausgeschlagenen Zähnen und Nasenbluten. Die einzige größere Aufgabe dieses Tages bestand darin ein Zugticket nach Oldenburg und zurück zu besorgen. Eine Aufgabe, von der man annehmen sollte, selbst ich sei im Stande sie ohne größere Zwischenfälle zu meistern. Doch ich wäre nicht ich, würde ich diese Kleinigkeit nicht in ein Event sketchreifer Art verwandeln. „Je spektakulärer, desto Speedy!“... und es ist mir gelungen. Keine Angst, der Dom steht noch! Überhaupt ist nichts kaputt gegangen. Es gab nur einen kleinen Zusammenstoß; massiven Ausmaßes jedoch. Aber von Anfang an... Ich hatte es also geschafft mehr oder weniger heile aus der Wohnung und mit der U-Bahn in die Stadt zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt hätten die inneren Alarmglocken angehen sollen. Nichts! Auf dem Weg zum Bahnhof war ich lediglich einer frisch frisierten Schoßratte auf die manikürten Krallen gestiegen. Doch immer noch schlief das Katastrophenfrühwarnsystem. Als ich vollkommen missverständnisfrei mein Ticket erworben hatte, hätte es mir klar sein müssen: dass ich fröhlich pfeifend auf ein mittelmeergroßes Fettnäpfchen zu lief. Rannte. Mit Lichtgeschwindigkeit! Wider besseren Wissens gab sich mein Kopf jedoch der Illusion hin, es könnte ein quasi ganz normaler Tag werden. Normal... HA! DAS war der Fehler! Sich zu früh in Sicherheit zu wiegen hat bisher auf jedem Schlachtfeld die Wendung gebracht. Aufmerksamkeit ist das Stichwort. Aufmerksam war ich. Nur leider - wie immer – in die falsche Richtung. Beim Verlassen des DB- Service Point versuchte ich gleichzeitig mein Ticket in meinem Rucksack zu versenken und meinen mp3-Player einzustellen. Was mir auch gelang. Zusätzlich noch meine Laufrichtung und eventuelle feststehende oder bewegliche Hindernisse im Auge zu behalten... das war einfach zuviel verlangt. So kam es, dass meine schwungvolle Drehung nach rechts mit einem jähen Zusammenprall endete. Schrecksekunden liegen mir fern, was ja bei der Häufigkeit meiner Unfälle nicht weiter verwunderlich ist. Daher konnte ich direkt taxieren mit wem oder was ich da den gleichen Quadratzentimeter hatte teilen müssen. Braune Herrenschuhe aus Leder. Ein hell-grauer Anzug. Ein weißes Hemd mit dunkler Krawatte. Immerhin, man hat es offensichtlich mit einem Mann zu tun und muss beim Rumschnauzen nicht zu genau auf seine Wortwahl achten. Ein freundlich-verwirrtes, amüsiert- entrüstetes Gesicht unter einer Brille mit breitem, dunklen Oberrand. Leicht abstehende Ohren. Dunkelgraue Haare, zu einer äußert seltsamen Frisur mit hohem Wiedererkennungswert aufgestriegelt. Ein fremder Anblick und doch sehr vertraut. Doch solche Sentimentalitäten sollten mich nicht davon abhalten meinem Unmut über die Unterbrechung meiner Lauftätigkeit Ausdruck zu verleihen. „Hey, passen Sie doch auf! Hier ist rechts vor links“, hörte ich mich sagen, was mit einem beschmunzelten „Stimmt, und Sie kamen von links.“ Beantwortet wurde. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass mein Hirn nicht im Geringsten mit meinem Mund verbunden ist. Da Schlagfertigkeit nicht unbedingt zu meinen Stärken zählt, ich aber auch keine sprachlos-doofe Karpfenimitation präsentieren wollte, schüttelte ich nur den Kopf, umrundete mein „Opfer“ und ging Richtung S-Bahn. Nach einigen Schritten drehte ich mich noch mal um, wie man das ja für gewöhnlich in solchen Situationen tut. Auch der nette End-50er blickte zurück und grinste mich verschmitzt an. Da wurde zunächst meinen Ohren (rot und heiß), meinen Wangen (rot und heiß) und schließlich auch dem Rest von mir (winzigklein vor Scham) klar wen ich da angeblafft hatte. Es sollte den ganzen Weg nach Hause dauern bis die Titelmelodie seiner Fernsehserie, das schallende Gelächter des Publikums und seine ernste Stimme aufhörten in meinen Ohren zu klingeln.

Hat jemand von euch in letzter Zeit „Zimmer frei“ gesehen? Er hat es bestimmt vor laufender Kamera erzählt. Wie eine kleine Blondine ihm vor die Brust gerannt ist. Deutschland weiß wie ich ihn zu Unrecht angefahren habe. Und wie er darüber lachte.
Oh Mann! Sowas kann nur ich. Es tut mir ehrlich leid, Götz Alsmann!

Unnütze Information von heute:
Fidel Castro wäre 1944 beinahe Baseballprofi bei den Washington Senators geworden.

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