unsichtbar
 

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Was davon übrig blieb...

Jeden Tag ist es da. Du kannst es nicht herausoperieren lassen. Es begleitet dich in die Uni, es wartet auf dich, wenn du nach Hause kommst. Sogar wenn du abwäschst, weißt du dass es da ist.
Es ist ein großes Loch in deinem Bauch. Das Loch, das bleibt, wenn du einen Freund verloren hast. Es sind nicht -wie jeder sagt- die Erinnerungen, die dir bleiben. Doch, auch. Aber was du am häufigsten fühlst ist das merkwürdige Gefühl im Bauch. Jedesmal wenn du an den Freund denkst flüstert das Loch in deinem Bauch zu dir. Es sagt:" Vielleicht hättest du was tun können. Wieso hast du nichts gemerkt? Du bist SCHULD SCHULD SCHULD." Obwohl man genau weiß, dass es nicht die eigene Schuld ist, macht das Gefühl einen traurig. Du rufst Sequenzen deines und seines Lebens auf, überdenkst sie von allen Seiten und kommst zu dem Schluss, dass du nicht Schuld bist. Ganz genau weißt du es. Nur das Loch in deinem Bauch weiß es nicht, dass dich jedesmal an den schmerzlichen Verlust erinnert. Am liebsten hätte man noch fünf Minuten. Zeit für....
... eine Umarmung? Ein klärendes Gespräch? Eine wüste Beschimpfung?
Und dann die Ahnung, dass du diesen Moment nie haben wirst. Du wartest auf einen Telefonanruf, der nicht kommt. Eine sms, die nie gesendet wird. Oder einen Brief, der nie geschrieben wird.
Nach außen bist du wie immer. Du stehst auf wie jeden Morgen. Du duschst dich und die Welt um dich herum ist grau, als du mit dem Fahrrad zur Arbeit fährst. Wenn jemand einen Witz macht, wirst du lachen, bei Problemen anderer ein offenes Ohr haben. Und du wirst dich wundern wie gut es geht, obwohl jedes Lachen vom Loch in deinem Bauch verschluckt wird.
Nach einiger Zeit bemerkst du, wie dein Kummer ein bisschen nachlässt. Du musst nicht mehr oft weinen. Das Loch, das dich nach unten ziehen will, verliert seine Gewalt über dich. Dein Lachen klingt unbeschwerter, du siehst wieder die Schönheit der Welt.
Doch jedes Mal, wenn du am Bahnhof stehst und in einen Zug einsteigst, dehnt sich das Loch explosionsartig aus und trötet dir entgegen:" Hallo, ich bins mal wieder. Na, steigst du in einen Zug ein? Stell dir jemand wirft sich vor genau diesen Zug, wie gehts dir dann, he? Du bist ja so still...hat es dir die Sprache verschlagen?"
Ja, das hat es. Für den grauenhaften Bruchteil einer Sekunde hörst du wieder das Klingeln des Telefons, das dir eine traurige Nachricht mitteilen will. Du durchlebst im Schnelldurchlauf das Leben eines Anderen, deine Vorwürfe dir selbst gegenüber, die letzte Ehre, die du erwiesen hast und den Gesichtsausdruck der Eltern, die ihren Sohn beerdigt haben.
Du wirst Freunde haben, die dein Leid teilen und die jeden Selbstvorwurf von dir weisen. Sie werden dich fangen und nachts am Telefon sitzen, wenn es dir schlecht geht. Und du weißt, dass sie genauso trauern wie du. Um das Leben ihres Freundes und um den leeren Platz in eurer Clique.
Nach einer Zeit wird das Loch so klein sein, dass es in deinem täglichen Leben nur noch einen schalen Beigeschmack hinterlässt, wenn du Erlebnisse rekapitulierst. die Erinnerungen lassen dich lächeln und nicht mehr weinen. Dennoch weißt du dass diese Zeit nicht zurückkommt. Nie.

- Du hast Spuren in unserem Herzen hinterlassen -

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