unsichtbar
 

Sylvesterrakete

Im Dezember 2005 bekam ich wieder einmal Lust mit Wasserstoff herumzuspielen. Dabei war die Idee, einen großen Böller zu bauen.
Mein Vater brachte mich dann aber auf die Idee - Warum explodieren lassen, ist doch langweilig. Die freiwerdende Energie kannst du doch ausnutzen. Also war die Idee einer Rakete - oder besser gesagt - einer Kanone ins Auge gefasst.

Ich hatte früher schon mit Wasserstoff gebastelt und mal gedacht, ich könnte einen fliegenden Ballon bauen. Leider entwich das Gas durch den Gummiballon zu schnell, als dass mehr als die auf dem Bild abgebildete größe erreicht wurde und der flog nicht. Also hatte ich den Ballon im Garten per ferngesteuertem Feuerzeug in die Luft gejagt.

Ich hatte diesmal eine bessere Wasserstofferzeugungsstation als eine Fanta-Flasche zur Hand: Einen 20 Liter Wassereimer. Zudem wusste ich, dass es schneller geht, je näher sich die Elektroden sind und desto größer die Flächen sind, die sich gegenüber stehen. Einfaches reinbaumeln von zwei Nägeln, so wie das früher gemacht wurde, war absolut nicht drin.

Zum Glück hatte ich ein Stück 20x10 cm Edelstahlblech gefunden, das in zwei Teile geteilt wurde und beide quadratischen Stücke wurden etwa 120 Grad gebogen, so dass sie eine kleine Fläche einnahmen. Mit Gummibändern hatte ich die beiden Stücken bald so fixiert, dass nur wenige Millimeter zwischen ihnen waren und Kabel waren auch schnell angebaut.
Ein Trichter über den Blechstreifen fängt das Gasgemisch auf und dank der Höhe des Eimers kann ich eine Flasche auf den Trichter unter Wasser stellen, so dass ein entweichungsfreies Befüllen der Flaschen möglich ist.

Dieser Aufbau war sehr effektiv, meine Anlage hatte bei 30V einen Durchfluss von 800mA, wobei ich mir sicher bin, dass außer Wasserstoff und Sauerstoff sicher irgendwodurch Chlor oder so entstanden ist, aber nur in kleinen Mengen, es war nur nicht so schön für die Nase.
Jedenfalls schaffte es 0,5 Liter Gemisch in eineinhalb Stunden.

Als der Aufbau funktionierte machte ich mich an den Raketenaufbau.
Eine Glenmorangie-Metalldose (mit 10 Jahre altem Whisky schießt es sich am besten Eye-wink ) diente mir als Abschlussrampe. Die kleine PET-Flasche passte perfekt in diese Dose. Für die Zündung wählte ich ein Piezo-Element, das ich noch herumliegen hatte, es würde laut Katalog einen 11kV-Funken abgeben. Ich konnte maximal 5 meter Kabel zwischen Zünder und Piezo-Element klemmen, sonst kam der Funke nicht mehr durch das Kabel, aber 5 meter reichten gerade so aus.
In die Dose kam ein Sockel aus zwei dicht aneinanderstehenden Nägeln, zwischen denen der Funke das Gasgemisch zünden würde.


Ich hatte schonmal zur Explosionskraft tests gemacht mit einen Kappe einer Spraydose, sie hüpfte ein wenig und es machte leicht Puff, so dass ich mir nichts großartiges erhoffte.
Am Sylvestermittag testete ich den Aufbau mit der Flasche im Kellereingang (Eingang deshalb, weil ich blöderweise dachte, dass es nicht gut wäre, wenns nass würde, da es gerade regnete. Dumme Idee.).
Nach dem drücken des Auslösers gab es einen fürchterlichen Knall und die Flasche knallte gegen die Decke am Eingang und sauste nach draußen. Ich hatte ein klingeln in den Ohren und einen totalen Adrenalinausstoß, echt irre.

Am Sylvesterabend hatte ich die Abschussdose in einem Eimer voll mit Matsch eingebettet, da sie mir beim Test am Mittag umgefallen war und ich das Risiko nicht eingehen wollte.
Beim Abschuss behauptete meine Oma eine Flamme aus der Dose gesehen zu haben, ich hatte mich mit dem Rücken zur Dose gestellt und den Schalter gedrückt (und mir versehendlich selber einen Stromschlag verpasst).
Jedenfalls knallte es wieder mordsmäßig und die Flasche flog... und flog... und flog... und nach etwa mitgezählten 4-5 Sekunden schlug sie wieder auf dem Boden auf. Unsere Höhenschätzungen betrugen sich auf vielleicht 20 meter, ich war begeistert.
Es ist lustig sowas zu bauen, aber auch sehr gefährlich. Beim experimentieren lernt man den nötigen Respekt, gut wenn es ohne Unfälle funktioniert.

Weitere Bilder:


Innenansicht vom Eimer, gut erkenntbar der Trichter das Kabel an das Edelstahlblech.


Das Piezo-Element mit Anschlusskabel für die 5m Verlängerung.


In die Dose hineinfotografiert. Hier sieht man gut die Nägel, über die später der Flaschenhals gestülpt wird, so dass der Funke etwa 4-6cm im Inneren der Flasche überspringt und mit Sicherheit in der Gasmenge zündet.